Der Terrorkrieg der IslamistenUrsachen und Motive(Eine weitere Betrachtung zu diesem aktuellen Thema)Datum: November 2004 A. Wurden Samuel Huntington's Gedanken Anfang der 90er Jahre über einen heraufsteigenden Zivilisations-Konflikt zwischen fanatischen Moslems und der westlichen Welt noch als Schwarzseherei abgetan und in die Ecke der Fehleinschätzung plaziert, so können wir heute nur noch feststellen, dass wir uns nun für alle erkennbar mitten in eben diesem Konflikt befinden. Wer das bestreitet, hat die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt. Nicht mehr einzelne kleine im Abseits der islamischen Gesellschaft stehende Gruppen stehen hinter den Terroranschlägen, sondern tausende von fanatischen Predigern mit ihrer geistigen Haltung und 10-tausende von ideologisch verführten Moslems, die bereit sind, gegen die Durchdringung der islamischen Staatenwelt mit ‘satanischen Einflüssen’ aus der westlichen Welt zu kämpfen und zu sterben. Was jedoch noch nicht entschieden ist, ob die Mehrheit der Moslems dem Terrorkrieg ihrer radikalen Glaubensbrüder gegen nicht-islamische Gesellschaften zu folgen bereit sind. Und an diesem Punkt sei angemerkt, dass sich der Glaubenskrieg der Islamisten nicht nur gegen die westliche Welt richtet, sondern auch gegen sozialistische Staaten und Länder mit nicht-islamischen Religionen oder Volksgruppen (wie derzeitig unter anderen im Sudan). Die Saat der Hassprediger vor allem in den Moscheen der Armenviertel in den islamischen Großstädten ist aufgegangen und zu Abertausenden lassen sich die in der eigenen Gesellschaft chancenlosen und indoktrinierten jungen Moslems zum Kampf gegen den angeblichen Religionsfeind rekrutieren. Die religiösen Rebellen, nennen wir sie mal wohlwollend so, werden aber trotz ihrer uneingeschränkten Einsatzbereitschaft und trotz ihres Kampfes mit allen Mitteln des Terrors den Rest der Welt nicht in die die Knie zwingen können. Was sie jedoch erreichen, ist eine empfindliche Störung des globalen Friedens und der internationalen Kooperation in verschiedenen Bereichen mit negativen Folgen für Wachstum und Wohlstand in vielen Staaten vor allem durch den zeitweiligen Zusammenbruch einer reibungslosen Versorgung mit Erdöl und anderen wichtigen Rohstoffen mit noch nicht zu überblickenden Konsequenzen. Entschieden wird dieser Konflikt aber nicht durch einen Sieg der angegriffenen Staaten und ihrer Verbündeten oder gar ein Sieg der militanten Islamisten. Vielmehr könnte eine "Reformation" im Islam selbst die Wende zum Besseren herbeiführen. Eine geistige Elite der religiösen und gesellschaftlichen Erneuerung und Anpassung des Islams an die Welt des 20sten und 21sten Jahrhunderts wird langsam aber unaufhaltsam an Bedeutung und Einfluss gewinnen. Die Mehrheit der gemäßigten Moslems wird nach langem Zögern endlich den Mut finden, gegen die ultra-religiöse und rückständige Haltung der radikalen Islamisten Stellung zu beziehen und ihnen das für sich beanspruchte Moralterritorium streitig zu machen. Dass dabei Blut fließen wird, ist so gut wie sicher. Schon jetzt sind auf Konferenzen wie der letzten der ICC mutige Stimmen zu hören, die eine zeitgemäße Erneuerung der islamischen Gesellschaften und ihrer politischen Systeme fordern. Aber der Weg dahin ist mühsam und lang. B. Wieso ist es überhaupt zu einer so starken Bewegung radikal gesinnter Moslems in den Gesellschaften der islamischen Länder gekommen? In nahezu allen arabischen Staaten aber auch in Indonesien und anderen moslemischen Ländern verbreiten heute tausende moslemischer Geistlicher in Moscheen, Schulen und Universitäten Hassparolen gegen die westliche Staatengemeinschaft und rufen zum ‘heiligen Krieg’ gegen sie auf. Aber auch nicht-islamische Staaten wie Indien, China oder die Philippinen stehen inzwischen auf ihrer Zielliste. Drei Motive haben sich heute zu einer ‘Mainstream-Kampfansage’ verbunden und wirken sich nach jahrelanger Indoktrinierung junger Moslems in den Moscheen mit der heute erkennbaren Wucht des Fanatismus und Opferbereitschaft aus.
C. Möglicher Weise sogar in der Erkenntnis, bei der Einführung von Entwicklungen und Errungenschaften des 20. und 21. Jahrhunderts - zugeschnitten auf die islamischen Gesellschaften - versagt zu haben, predigen die Islamisten heftiger und trotziger als je zuvor die Besinnung auf die Wurzeln des Islams und die Rückkehr zum mittelalterlichen Kaliphat. Taliban Führer Mullah Omar war bereits auf dem Weg, in Afghanistan eine derartig unzeitgemäße, d.h. undemokratische und die UN-Konvention zum Schutz der Menschenrechte ignorierende Gesellschaft einzurichten. Ähnlich rückständige Vorstellungen von einer zukünftigen islamischen Gesellschaft haben auch Al Qaeda Führer Osama bin Laden, der radikale ägyptische Sheikh Omar Abdel Rahman und viele andere. Am Beispiel Afghanistans, wo sich Omar bin Laden wie zu Hause fühlte, lässt sich ableiten, was die islamische Welt im Falle eines Sieges der radikalen Islamisten zu erwarten hätte. Zu nennen wären insbesondere die Abschaffung jeglicher Formen einer Demokratie, die Entrechtung der Frauen, die Unterdrückung nicht-islamischer Religionen und Kulturen bis hin zur Vernichtung jahrtausende alten Kulturgutes sowie die Verhinderung einer zeitgemäßen Erziehung und Bildung für Jugendliche beiderlei Geschlechts aber insbesondere der Mädchen. Die innen- und außenpolitischen Zielsetzungen eines Regimes nach Muster der Taliban in Afghanistan und in etwa auch die der islamistischen Herrschaftsvertreter im Sudan sind nicht nur auf sich selbst gerichtet. Im Visier der radikalen Regime sind alle islamischen Länder aber im Ende auch westliche und sonstige Staaten, wie es radikale moslemische Führer in diesen Staaten unverhohlen predigen. Da Rückständigkeit im fairen Wettbewerb mit dem Fortschritt auf Dauer nicht mithalten kann, haben sich die radikalen Moslems durch ihre Terroranschläge die Störung des innerstaatlichen Gefüges fortschrittlicher Länder und eine empfindliche Beeinträchtigung der internationalen Zusammenarbeit der freien Staatenwelt zum Ziel gemacht. Über das Terrorszenario vom 11.September 2001 hinaus versuchen sie in den Besitz von nuklearen, chemischen und biologischen Waffen zu kommen, um - wie sie zu glauben scheinen - die Ungläubigen mit diesen Waffen Gott gewollt noch härter betrafen zu können. Sie erwarten, dass - im Fall ihres Erfolgs - die USA und die Staaten Europas sich aus Furcht vor weiteren katastrophalen Anschlägen aus ihren Einflussgebieten in der islamischen Welt zurückziehen und den Kampf gegen die radikalen Islamisten einstellen werden. Diese Taktik könnte bei vielen schwachen europäischen Regierungen zum Einlenken auf die Forderungen der Terroristen führen, jedoch nicht ohne Folgen für ein friedliches Zusammenleben zwischen den einheimischen Europäern und den zugewanderten Moslems bleiben. Letztere werden Ablehnung, Diskriminierung und Verfolgung erleben und ihre Existenz in Europa wird sich möglicherweise bis zur Unerträglichkeit erschweren. Die Terrortaktik gegenüber Staaten wie den USA, Russland oder Indien wird ohnehin nicht aufgehen. Solange die angegriffenen Staaten den Kampf gegen die Terroristen anders als diese nach völkerrechtlich anerkannten Regeln führen, werden den radikalen Islamisten immer wieder vor allem Selbstmordanschläge, Entführungen und brutale Strafaktionen an unschuldigen Menschen gelingen. Aber diese Taktik der islamischen Terroristen wird zwei schwerwiegende Folgen für sie haben. Zum einen wird der Terrorkrieg die islamische Welt spalten, zum anderen werden sich die angegriffenen Staaten wirksamere Mittel gegen den Kampf der Terroristen einfallen lassen. Wie dies aussehen könnte, lässt sich an Beispielen der Terroristenbekämpfung in Ägypten erläutern. Als in den 90er Jahren in Ägypten Terroristen der Gamaa al Islamia und des Al Jihad zunächst Anschläge gegen führende Vertreter der Regierung und später gegen Touristen mit schwerwiegenden Folgen für die Wirtschaft ausführten, begann im Lande eine gnadenlose Verfolgung nicht nur der des Terrors Verdächtigten sondern auch ihrer Familien und Angehörigen. Es dauerte nicht lange und in Ägypten kehrte Ruhe ein. Der kürzliche Anschlag in Taba richte sich auch nicht gegen Ägypten sondern Israel. D. Solange sich Terroristen und Angehörige von Sicherheitskräften in den jeweiligen Konfliktregionen gegenseitig umbringen, könnten Staaten, die mit diesen Konflikten nichts zu tun haben, dies als interne Vorgänge in diesen Ländern ignorieren. Wenn aber zunehmend unschuldige Menschen (z.B. Angehörige humanitärer Organisationen), die mit den politischen Zielsetzungen der USA, Russlands oder Israels nichts zu tun haben, trotzdem von den Terroristen umgebracht werden (wie kürzlich auch der liberale holländische Regisseur van Gogh), dann ist die Weltöffentlichkeit, das heißt vor allem die Vereinten Nationen aufgerufen, sich intensiv mit diesem internationalen Problem zu befassen. Da genügen Sicherheitsratsresolutionen, die den Terror verurteilen, nicht. Hier wäre die Bildung einer internationalen unabhängigen UN-Kommission erforderlich, die sich mit den Ursachen dieses inzwischen weltweiten Konfliktes befasst. Dazu gehört auch die Hinterfragung der enormen Einflussnahme der westlichen Staaten, heute allen voran der USA auf nahezu alle Länder der Erde. Schon seit dem Vordringen der ehemaligen Kolonialmächte in die Herrschaftsbereiche anderer Kulturen und Gesellschaften haben sich dort kulturelle und gesellschaftliche Einflüsse der damaligen Eroberer und heute dann der westlichen Industriestaaten breit gemacht und die traditionellen einheimischen Lebensformen beträchtlich zu überlagern begonnen. Und hier sind wir genau an dem Punkt angelangt, der von Osama Bin Laden und seinen Gefolgsleuten als Rechtfertigung für den Kampf gegen die USA als westliche Führungsmacht und ihre Mitstreiter angeführt wird. Wenn das Aufbegehren der radikalen Islamisten mit der heute erlebten Wucht geschieht, hat das etwas mit geschürten Hass aber auch mit der Frustration zu tun, mit normalen politischen Mitteln nichts erreichen zu können. E. Da wir auf der einen Seite die Entschlossenheit der USA, Russlands und anderer Staaten erleben, den Terrorismus mit allen Konsequenzen zu bekämpfen, auf der anderen Seite aber auch wissen, dass die Terroristen über ein nahezu unerschöpfliche Reserve an kampf- und opferbereiten jungen Moslems verfügen, ist mit einer weiteren Eskalation diese Konfliktes zu rechnen. Die internationale Kooperation, Ordnung und Sicherheit sind erheblich in Gefahr. So ungern es die Präsidenten der USA und Russlands hören mögen, aber Gespräche und Verhandlungen unter UN Vermittlung mit den geistigen und auch militanten Führern der radikal-islamistischen Bewegungen unter Einbeziehung anerkannter islamischer Persönlichkeiten sind m.E. der einzige Weg, um den Konflikt mittelfristig zu lösen. Eine jüngste Mitteilung Osama Bin Ladens im Oktober 2004 an die Weltöffentlichkeit enthielt erstmals einige politische Elemente, die auf Gesprächsbereitschaft schließen lassen. Ob mein Vorschlag ein gangbarer Weg wäre? Nun, angesichts dessen, was bei diesem Konflikt auf den Spiel steht, würde sich ein Versuch schon lohnen. Gehen Sie zurück oder zu meine Hauptseite http://home.uninet.ee/~ecm/ |