Werte und Ideale in Deutschland früher und heute!

Wo stehen wir?

Datum: Februar 2002
Verfasser: E. Melzer


Vorwort
Der Anschlag auf das World Trade Center am 11. September 2001 in New York durch militante Islamisten oder besser islamistische Terroristen ist nicht nur die brutale Antwort auf die einseitige Parteinahme der USA für Israel im Konflikt mit den Palästinensern und das militärische Engagement der USA in der arabischen Staaten sondern auch Ausdruck des unbeholfenen Hasses auf den zunehmenden Einfluss westlicher Lebensart in der islamischen Welt. Demokratie und freiheitliche Lebensgestaltung nach westlichem Muster, Trennung von Religion und Staat, Gleichbehandlung von Mann und Frau sowie der Verfall von Sitte und Moral durch Alkohol, Drogen und Prostitution werden von den Islamisten als Bedrohung für Fortbestand bzw. die Einrichtung einer reinen islamischen Gesellschaftsordnung empfunden. Verantworlich für diese Bedrohung machen sie die westlichen Staaten allen voran die USA. Ohne näher auf den Terroranschlag in New York und die Vorwürfe der Islamisten einzugehen, sind die Hintergruende als solche geeignet, einmal die Werte und Ideale in der Gesellschaft der zu den westlichen Staaten gehörenden Bundesrepublik Deutschland einer Prüfung zu unterziehen.

Am Rande dieser Betrachtung möchte der Verfasser darauf hinweisen, dass er die o.a. Vorwürfe der Islamisten für nicht ganz unberechtigt hält.

Nur eben sind gewaltsame Reaktionen und Terror von Islamisten wie Osama Bin Laden und seiner Organisation al Qaeda angesichts der Existenz internationaler Foren wie die Vereinten Nationen zur friedlichen Lösung von Konflikten kein geeignetes Mittel.


A. Bei der Kennzeichnung der gegenwärtigen Gesellschaft in Deutschland wird in den Medien nicht nur gelegentlich und auch nicht nur im Scherz von einer Spassgesellschaft gesprochen. Was ist damit gemeint? Dass alles, was wir tun, Spass machen sollte? Oder aber, dass nichts mehr ernst genommen werden sollte? Letzteres könnte es wohl sein, denn in der Tat gibt es fast nichts mehr, was in der heutigen Gesellschaft Deutschlands - ich vermeide ganz bewusst den Begriff "jüngere Generation" - noch ernst genommen bezw. respektiert wird. Das, was dem deutschen Volk, eingebettet in das christliche Erbe der europäischen Völkergemeinschaft, an Werten und Idealen in den vergangenen Jahrhunderten vermittelt worden war und ihm als sichere Basis für ein richtiges Verhalten in seiner Gesellschaft galt, hat heute seine Bedeutung verloren.

Die Maxime des Handels vieler Mitbürger heute scheint zu sein: Ich glaube an nichts und ich versuche alles! Wie konnte es dazu kommen und welche neuen Wertvorstellungen, so es sie denn gibt, dienen als Ersatz für abgelegte Werte und Ideale früherer Generationen?


B. Wie in fast allen europäischen Staaten hat auch in Deutschland die gesellschaftliche Entwicklung in den letzten 50 Jahren zu Veränderungen in vielen Lebensbereichen geführt. Unter dem Einfluss des zunehmenden Wohlstands, grosser sozialer Sicherheit, der Ausweitung der individuellen Freiheiten und der rasanten Technologisierung ist im täglichen Leben der Menschen nur noch wenig so, wie es einmal war. Grundsätzlich erscheint mir diese Entwicklung gut, um nicht zu sagen, viel besser hätte es kaum können kommen, wären da nicht ein paar Fragen offen geblieben, über die einmal nachzudenken lohnt!

Während es in England, Frankreich, Spanien und anderen europäischen Staaten nichts Ungewöhnliches darstellt, wenn sich ein prominenter Mitbürger eines dieser Staaten mit Stolz zu seinem Land bekennt, erregt eine vergleichbare Äusserung eines Deutschen Kritik, Spott und anderes Schlimmere mehr. Wer in Deutschland von überlieferten Werten und Idealen spricht, wird häufig schief angesehen und nicht selten Kreisen der Ultra-Rechten mit ihrer notorischen Glorifizierung bestimmter Werte und Ideale zu einer bestimmten Zeit zwischen 1933 und 1945 zugeordnet.

Über Jahrzehnte hinweg waren Themen über traditionelle Werte für die breite Öffentlichkeit ein Tabu. Ausnahmen waren gelegentliche Debatten im Bundestag wie z.B. über den Traditionserlass der Bundeswehr und natürlich die theoretische Behandlung dieser Themen an den Universitäten auf philisophischer und historischer Basis. Die Veränderungen in unserer Gesellschaft durch neue Trends, alternative soziale und kulturelle Lebensformen und eine wahre Revolution in den Medien und der Informationstechnik erlaubten zu den alten Werten und Idealen kaum mehr ein Bezug. Der Versuch einer Auseinandersetzung über deutsche Tradition, Werte und Ideale in unserer Gesellschaft fand mit grösserem Anklang vor etwa 1-2 Jahren statt, nachdem unter prominenten Vertretern der deutschen Parteien des einen Stolz auf Deutschland des anderen Anlass zum Kotzen ist. Die Heftigkeit der Reaktionen zeigt aber auch, dass sich diese Themen und Fragen nicht überlebt haben und möglicherweise nur starker Verdrängung zum Opfer gefallen sind. Leider konzentrierte sich diese Auseinandersetzung häufig nur auf den Zeitraum von Bundestagswahlen und wird unter dem Kanzlerkandidat der Unionsparteien im Herbst 2002 voraussichtlich wieder ein Thema.

Was also könnte dazu geführt haben, dass die alte Ordnung in Familie, Religion, Gesellschaft und Staat und deren Werte wie Heimat, Vaterland, Treue, Fleiss, Ehrlichkeit, Respekt, Bescheidenheit, Verantwortung, Rücksicht, Pflichtbewusstsein seit 1945 innerhalb von 50 Jahren ihre vorrangige moralische Gültigkeit in der deutschen Gesellschaft verloren hat? Was ist an ihre Stelle getreten? Sind es Eigenschaften wie "cool, smart, tough, in, geil oder hot" und viele andere Bezeichnungen mehr, die aus dem grossen Reservoir der modernen Unterhaltungskultur, der TV-, Film-, Comic-, Music- und Computer-Animations-Szene entlehnt sind? Ernst zunehmend wohl kaum! Denn diese Modebegriffe, die in erster Linie die Selbstdarstellung und indirekt auch den Konsum pflegen, verschwinden so schnell wie sie gekommen sind, während sich an den traditionellen Werten und Idealen über nahezu 200 Jahre im wesentlichen nichts geändert hatte.


Blicken wir einmal zurück!
In der Suche nach moralischer Aufrichtung und nationaler Grösse nach dem verlorenen ersten Weltkrieg liess sich das immer noch obrigkeitshörige und demokratisch unreife deutsche Volk nur zu leicht von der nationalsozialistischen Propaganda verführen. Nicht alle Deutschen haben mitgemacht, aber viele Deutschen eben doch in der Hoffnung und im Glauben, dass es die Wertevorstellungen der Nazis und ihre hehren Ziele wert seien, den mit grossem Spektakel und auch viel Gewalt an die Macht strebenden Braunhemden eine Chance einräumen zu müssen. Sie erkannten in der Mehrheit dabei zunächst nicht, dass das, was von den Nazis als Werte und Ideale kreiert wurde, nur der Motivierung freiwilliger und unfreiwilliger Helfer und der Kaschierung ihrer wahren Ziele diente: Der Unterdrückung und Vernichtung anders denkender und glaubender Menschen sowie die Führung eines alle Grundsätze der Völkerverständigung missachtenden Krieges.

Welch böse Mischung aus Menschenverachtung, Grössenwahn und Arroganz, unterlegt mit unglaublicher Skrupellosigkeit, Dreistigkeit und Grausamkeit sich die noch zum grossen Teil von Kaisertreue geprägten und demokratisch unreifen Deutschen von den Nazis hatten unterschieben lassen, dämmerte ihnen erst, als es schon zu spät war. Als Hämmer auf die verführten Köpfe waren die Bomben der alliierten Luftstreitkräfte durchaus geeignet, um die von den Nazis zur überlegenen Rasse gek(rten Arier aus ihrer Hypnose aufzuwecken und sie schmerzlich an die Realität zu erinnern. Den totalen Zusammenbruch des "1000-jährigen Reiches" erlebte die Mehrheit des deutschen Volkes in Ruinen oder auf der Flucht und mit beschämender Erkenntnis und häufig auch Trotz über die von den Nazis und ihren folgsamen Kohorten begangenen Verbrechen an der Menschheit aber auch am eigenen Volk.

Das Entnazifizierungsprogramm der Siegermächte, der schon bald nach Kriegsende sichtbar werdende Ost-West Konflikt und ein Wiederaufbauaktonismus liessen den meisten Deutschen kaum Zeit, einmal gründlich darüber nachzudenken, wie es zu der deutschen Katastrophe von 1945 kommen konnte, und was in den Jahren zuvor falsch gelaufen war. Entnazifizierung, Prozesse gegen die Nazi-Prominenz in Nürnberg und die baldige Einbeziehung der Deutschen in die westliche Staatengemeinschaft gegen die kommunistische Expansion der Sowjet Union wirkten wie eine Gewissensbleiche.

Mit der Wiedereinführung der Demokratie und der Einrichtung einer freien Marktwirtschaft wurde ein Gesellschaftssystem geschaffen, welches zwar in Deutschland schon einmal Fuss zu fassen versucht hatte, aber mangels politischer Reife seiner Bürger gescheitert war. Den Erfolg des neuen Systems stellten die Deutschen jetzt aber nicht mehr in Frage, da sie sich ja diesmal auf die Anleitung und Kontrolle demokratie-erfahrener Aufsichtsmächte verlassen konnten. Um die Frage nach den wahren Werte, in welchen man sich während der Nazi-Zeit so geirrt hatte, sollten sich nun die Kirchen und einige Polit-Philosophen kümmern. Den materielle Neuanfang hingegen übernahm das deutsche Volk bereitwillig mit aller Kraft und Hingabe und, in dieser Frage geeint und opferbereit, vollbrachte es tatsächlich ein Wunder.

Der Versuch aber, aus eigener Kraft und Verarbeitung die zuvor von den Nazis missbrauchten Wert-und Moralvorstellungen einer Prüfung zu unterziehen und Wertbeständiges zu retten und weiter zu vermitteln, scheiterte oder fand erst garnicht statt. So blieb es nicht aus, dass der Ablöseprozess von der Anerkennung einer ideellen Werteordnung zur Hinwendung zu einer sehr materiellen Werteordnung (Was kann ich mir dafür kaufen?) schrittweise von Generation zu Generation zur heute sichtbaren Entwurzelung und moralischen Orientierungslosigkeit vieler Menschen in unserer Gesellschaft geführt hat. In wichtigen Lebensfragen auf sich allein gestellt, treibt das Verhalten vieler Menschen seltsame Blüten. Verlustig der traditionsbegründeten Lebensgewohnheiten sowie bewährter Verhaltens- und Moralnormen wird er zum Imitationsmeister dessen, was ihm TV-, Film- und Werbewelt als der ideale "Way of Life" vorspielen. Zu den aus dieser Entwicklung resultierenden Verirrungen gehören das Ballermann-Syndrom ebenso wie die "Single-Exzentrizität" mit ihrem Schönheits- und Sexwahn und auch eine abseits jeglichen Bescheidenheitsgefühls demonstrierte Grosskotzigkeit und Rausch- und Erlebnissucht.

Passende Beispiele dafür gibt es genug:
  • So ist die Love-Parade in Berlin mit ihren geschmacklosen Auswüchsen für viele junge Deutsche zu einem der Top-Ereignisse der Spassgesellschaft geworden.
  • Obwohl in Deutschland häufig in hochmütiger Haltung über die amerikanische Gesellschaft gelästert wird, imitieren sehr viele Deutsche den "American Way of Life" leider eher in lächerlicher Form.
  • In der glücklichen Lage, sich Reisen in alle Welt erlauben zu können, halten sich viele Urlauber mittels der Macht ihres Geldes für legitimiert, an fremden Gestaden gegen alle guten Sitten des Gastlandes verstossen zu dürfen. Beschämende Szenen auf Mallorca finden inzwischen auch ein Beispiel an den Stränden des Roten Meeres, des Indischen Ozeans und in der Karibik.
  • Austritte aus der Kirche gelten beim "aufgeklärten Bürger" als in. Dass er in Wahrheit ein Pfennigfuchser ist und nur die Kirchensteuer sparen will bestreitet er mit faulen Argumenten heftigst. Seine historische Verpflichtung gegenüber der Kirche verleugnet er.
  • Über Verlust eines gesunden Selbstwert- und Schamgefühls junger Frauen berichtete RTL/TV am 2.12.01, abends eher unbeabsichtigt mit einem Beitrag über die Hamburger Party-Girl-Szene. In den Interviews gaben sich die jungen attraktiven Frauen dieser Szene als Studentinen aus. In der Regel würden sie monatlich mindestens DM 1.000,- für "Klamotten" ausgeben. Sie hofften als Party-Girls auf "Kontakte zu wichtigen Männern, um nach Oben zu kommen". Nicht ganz ohne einen Anflug von Spott bezeichnete der RTL-Kommentator diese Mädchen, welche "die Parties der wichtigen Kontakte" selbstverständlich ohne Unterhöschen besuchen, als "Party-Luder". Die Selbstverständlichkeit, mit der junge Mädchen wie die Befragten eine Matrazenkarriere akzeptieren, ist ein trauriges Zeichen der moralischen Entwurzelung junger Menschen aber auch der Macher dieser Party-Szene, denen das Verhalten dieser Mädchen nicht im geringsten als ungewöhnlich erscheint.

C. Hinsichtlich alten und neuen Werten und Idealen ist die Situation in Deutschland indessen nicht ganz hoffnungslos. Zwar hat sich das Verhältnis der Bürger zu den traditionellen Werten und Idealen wie Heimat, Vaterland, Treue, Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Rücksicht, Verantwortungsbewusstsein und Pflichtgefühl geändert und diese Werte haben ihre fundamentale Einflussnahme auf die Gesellschaft verloren; aber dennoch existieren sie mit verminderten Bedeutung fort und wirken sich eher stillschweigend auf das tägliche gesellschaftliche Leben der Bürger aus. Die Wenigsten lassen sich von ihnen hinreissen, aber nicht viele Menschen wissen, dass es ohne sie nicht geht.

Die Deutschen sind in ihren Wertvorstellungen heute aufgeklärter, rationaler und pluralistischer als früher. Frei vom Obrigkeitsdenken und der Belastung, sich ausschliesslich um die Sicherung ihrer Existenz kümmern zu müssen, ist der Bürger in der Lage, seine Werte und Ideale entsprechend den eigenen Erfarungen und Vorstellungen selbst zu bestimmen und danach zu handeln. So sehen heute viele Menschen in Werten das, was ihnen das Dasein gerecht und lebenswert macht und nicht nur als Pflicht für den Buerger erscheint. In diese Entwicklung gehört die in Deutschland verwirklichte Demokratie und Rechtstaatlichkeit, verbunden mit einem umfassenden Sozialsystem, welches den Buergern eine menschenwürdige und lebenswerte Existens garantiert und für das sich einzustehen lohnt. Und hier ist ein deutlicher Wandel in der Betrachtung von Werten zu sehen. Materielle Werte wie Unterstützung bei Arbeitslosigkeit und Not sowie Kranken- und Altersversorgung ersetzen frühere ideelle Werte, mit denen die Menschen aber in Notzeiten allein gelassen wurden.

Das Streben nach Verwirklichung ideeller Werte hat die Menschen vergangener Epochen und Generationen häufig enttäuscht, wurde doch ihre Haltung von den Obrigkeiten in der Gesellschaft immer wieder missbraucht und der Bürger für seinen Einsatz für "Volk und Vaterland" kläglich entlohnt oder gar bitter bestraft. Nach Jahren der Verdrängung haben die Bürger in Deutschland heute ihre Werteordnung überdacht und neu und auch sehr individuell formuliert.

Die heute bestehende und rechtlich verankerte soziale Sicherheit beinhaltet gesellschaftliche Werte, die den Menschen in Deutschland sehr konkret etwas geben können, und für die sie einzustehen und etwas zu leisten bereit sind. Und hierin werden nach Jahrzehnte langem Wandel (nach dem 2. Weltkrieg) in den Vorstellungen der Menschen über Werten und Ideale neue Wertmasstäbe sichtbar. Von Altlasten befreit, beschränken sich die meisten Bürger heute auf die Anerkennung von Werten wie soziale Sicherheit, freie und gerechte Gesellschaftsordnung und Schutz des Menschen und der Umwelt. Dafür ist er, wie Bürgerproteste und viele ähnliche Aktionen gezeigt haben, bereit einzutreten, verzichten aber auf pathetische nationale Beschwörungen. Für Nostalgier und Ultranationale ist dies zwar eine traurige Situation. Doch, was das Vaterland dem Bürger des 19. Jahrhunderts und ihm auch noch bis zu Beginn des 2. Weltkrieges bedeutet haben mag, und dem er sich in seinen Wertvorstellungen bis zum Einsatz seines Lebens verpflichtet sah, wird vom Bürger heute mit Unverständnis und gar Missbilligung bedacht. Wie bereits gesagt, hat sich der Bürger die neuen Werte und Ideale selbst geschaffen. Sie haben für ihn eine ganz konkrete Bedeutung und Wertvorstellung und nichts mehr mit den Schwärmereien für Werte und Ideale früherer Generationen zu tun.

In organisierten Strukturen, zum Teil inzwischen politisch verankert, haben sich die Bürger zu einflussreichen und nicht mehr zu überhörenden Selbsthilfeorganisationen formiert. Mit persönlichem Mut, viel Engagement und mitunter auch in Übertreibung und Dramatisierung machen sie auf Entwicklungen und Misstände aufmerksam, die ihre neue Wertewelt bedrohen könnten. Heute ist der Bürger in Deutschland weniger "Untertan", eher schon "Souverain" - keine so schlechte Entwicklung, wenn sie sich in Grenzen hält. Der Staat hingegen hat an Autorität verloren und muss sich den Wertvorstellungen des Bürgers beugen und für ihre Realisierung sorgen. Auch dies ist nach den schlechten Erfahrungen der Bürger mit der Staatsaurorität zu Zeiten von Kaiser und Reich als positiv zu verzeichnen.


D. Manchen Deutschen wie auch mir mag allerdings die oberflächliche Lebensausrichtung vieler vor allem jüngere Menschen auf materielle Werte und Lustgewinn orientiertes Dasein für den Erhalt einer nationalen Identität und eines gesellschaftlichen Grundkonsens abträglich erscheinen. Aber man muss sich auch vor Augen führen, was an neuen Werten in Deutschland, von der Bürger-Basis aus mitinitiiert, verwirklicht wurde:
  • Schutz der Menschen vor Krankheit, Arbeitslosigkeit, Armut und Alternot durch die Schaffung und gesetzliche Verankerung eines umfassenden Sozialsystems.
  • Schutz der Umwelt und Natur zum Erhalt einer natürlichen Beziehung zwischen dem Menschen und seines Lebensraumes.
  • Schutz vor Menschenrechtsverletzungen und der Menschenwürde als elementare Voraussetzung für eine freie und individuelle Lebensgestaltung.
  • Überwindung nationaler Engstirnigkeit und Schaffung einer friedliebenden und freundschaftlich miteinander verbundenen europäischen Völkergemeinschaft.

In einer abschliessenden Betrachtung der Wertvorstellungen früher und heute hat der Verfasser dennoch das Gefühl, dass die neuen Werte, so wichtig sie für den Menschen sind, die alten nicht ersetzen können. Zwar ist die menschliche Orientierung und globale Bedeutung der neuen Wertvorstellungen sehr anzuerkennen (wie sie ja auch in der VN-Menschenrechts-Charta und anderen VN-Proklamationen zum Schutz der Menschheit und Unwelt enthalten sind); aber sie vermögen den Menschen in Deutschland kein sicheres Gefühl für seine Herkunft, seine Heimat und seine Volkszugehörigkeit zuvermitteln und dies mit den traditionellen Werten zu verbinden. Wer aber seinen historischen, kulturellen und sozialen Background und die Werte, auf denen diese aufbauen, nicht mehr kennt, hat auch kein Gefühl mehr für seine Bestimmung und vegetiert im Wohlstand dahin. Wir Deutschen sollten uns daher um einen gesunden Kompromiss zwischen den alten und neuen Werten bemühen und uns einmal an das erinnern, was einst der ansonsten wenig konservative deutsche Dramatiker Schiller in seinem Werk "Wilhelm Tell" sagen liess: "Hier (in der Heimat) sind die starken Wurzeln deiner Kraft; dort in der fremden Welt stehst du allein, ein schwankend Rohr, dass jeder Sturm zerbricht!"


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